Main Echo 11.06.2005

Still dasitzen und andächtig zuhören: Das ist bei den Auftritten von Palouse absolut fehl am Platz. Die sieben Musiker aus dem Raum Aschaffenburg, die sich vor einem Jahr unter diesem Namen formiert haben, haben sich der traditionellen Tanzmusik verschrieben. Und sie erwarten auch, dass jeder sich bei ihren Walzer-, Mazurka- und An-Dro-Takten aufgefordert fühlt mitzumachen.

Hinter dem französischen Namen - zu fortgeschrittener Partystunde einem Rotwein-Etikett entlehnt - verbergen sich bekannte Köpfe der Untermain-Musikszene: Serge Fayolle (Akkordeon), Maria Nevermann (Querflöte), Andrea Kaindl (Mandola, Mandoline), Jutta Oberle (Geige), Elisabeth Maidhof (Hörner, Flöten) und Hubert Maidhof (Perkussion) gehörten zur Formation Mollebusch, die sich seit 1984 mit Renaissancemusik einen Namen gemacht hatte. Neu hinzugestoßen ist Thomas Schäfer, der Gitarre und Banjo spielt.

»Wir machen keine historische Musik mehr«, lässt Hubert Maidhof erst gar keine Missverständnisse aufkommen - vom konzertanten Anspruch Mollebuschs wollen sich Palouse bewusst abheben. Zugleich verhehlt er nicht, dass auch Einschränkungen des Aschaffenburger Kulturamts bei den Auftrittsmöglichkeiten zur musikalischen Neuorientierung beigetragen haben.

Sein Schlüsselerlebnis hatte Maidhof vor drei Jahren bei der Geburtstagsfete seines Mitstreiters Fayolle, die zu Pfingsten nach alter französischer Tradition in einem kleinen Ort bei Saint-Etienne gefeirt wurde. Traditionelle Tänze, dazu spielende Musiker, die heiteren Reigen immer wieder unterbrochen von Gängen des Festdiners - diese Ausdrucksform des Savoir-vivre wollte der 43-Jährige möglichst authentisch in deutsche Gefilde transferieren. »Wir haben hier keine vergleichbare Tradition«, bedauert er - wohl ein Grund dafür, warum sich der Squaredance oder keltische Folktänze hierzulande großer Beliebtheit erfreuen.

Festlegen lassen auf die französische Tradition wollen sich Palouse indessen nicht, sondern ihr Repertoire sowohl bei den Tänzen als auch den Instrumenten peu à peu erweitern. Maria Nevermann erlernt gerade das Diatonische Akkordeon, ferner sollen Saxophon und Dudelsack in absehbarer Zeit hinzukommen. Hubert Maidhofs Handtrommel Cajon entstammt dem lateinamerikanischen Kulturkreis.

In Serge Fayolle haben »Palouse« ihren Maître de Danse gefunden: Der 43-jährige Franzose gibt dem mittanzenden Publikum die Schritte und Formationen vor. Das Debüt vor einem Jahr bei einem Festival im osthessischen Lißberg bestätigte den Musikern, dass sie mit ihrem Konzept, den Gruppen- und Paartanz in den Vorder- und die Musik in den Hintergrund zu rücken, ankommen.

Jeden Freitag probt die Gruppe im Maidhofschen Domizil in Mainaschaff. Wie ernst die Musiker - allesamt Autodidakten - ihr Hobby nehmen, zeigt sich schon daran, dass Andrea Kaindl fast jedesmal aus München anreist. Palouse sind also gerüstet für ihre »Bal-Folk«-Premiere mit heimischem Publikum am Sonntag um 19 Uhr beim Weinfest im Nilkheimer Park. »Mittanzen kann jeder ab drei Jahren«, sagt Maria Nevermann. Grenze nach oben offen.

Jürgen Schreiner

Foto: László Ertl